Die britische Lebensversicherung
Eine Vielzahl von Lebens- und Rentenversicherungsprodukten, die von Versicherern mit Sitz in Großbritannien stammen, wird unter dem Sammelbegriff „britische Versicherungen” angeboten.
Im Rahmen des europäischen Binnenmarktes (auch für Versicherungen) können diese Versicherungen auch den Bürgern anderer Mitgliedsstaaten der EU angeboten werden. Entweder direkt aus Großbritannien oder über eine Niederlassungen des Versicherers in dem betreffenden Mitgliedsstaat.
Bereits seit über 200 Jahren existiert der britische Lebensversicherungsmarkt. Sein Anteil am europäischen Versicherungsmarkt beträgt ca.18 Prozent und ist damit der größte Teilmarkt in Europa und der drittgrößte der Welt.
Die Gesellschaften verwalten insgesamt rund 1.092 Milliarden britische Pfund und zahlen pro Tag 247 Millionen britische Pfund an Leistungen (Pensionsleistungen, Lebens-versicherungsansprüche) aus und halten als institutionelle Investoren ca. 20 Prozent der britischen Aktien. Die Verträge werden üblicherweise zwecks Kapitalanlage, privater Altersvorsorge oder zur Absicherung eines Darlehens abgeschlossen.
Auf dem britischen Lebensversicherungsmarkt werden überwiegend kapitalbildende Lebensversicherungen mit der britischen Form der Überschussbeteiligung (With-Profit Endowments) oder auch vielfach fondsgebundene Lebensversicherungen angeboten. In den letzten Jahren nehmen jedoch komplexe Mischformen immer mehr zu.
Als ein wesentlicher Unterschied zwischen den britischen und den meisten kontinental-europäischen Versicherern ist die Kapitalanlagepolitik anzusehen.
Es sind zwar aufgrund der europäischen Vorschriften die rechtlichen Grundvorgaben in allen Mitgliedsstaaten der EU weitgehend gleich, doch die meisten europäischen Lebensversicherer bieten relativ hohe garantierte Ablaufleistungen an. In einigen Ländern (z.B. Deutschland ab 2008) müssen auch die Rückkaufswerte von allen Anbietern, also auch von britischen Versicherern, während der Laufzeit der Höhe nach garantiert werden.
Britische Lebensversicherungen sehen nur relativ geringe Garantien vor und diese auch nur zum Ablauf. Rückkaufswerte werden meist nicht garantiert. Dies gibt den britischen Lebensversicherern eine wesentlich größere Flexibilität bei der Kapitalanlage und diese können daher in deutlich größerem Umfang in stark volatile Kapitalanlagen wie Aktien investieren, allerdings muss dies stets im Rahmen der europaweit geltenden Obergrenze von 35% der gesamten Kapitalanlagen geschehen.
Im Rahmen von fondsgebundenen Lebensversicherungen ist die Kapitalanlage im Rahmen des Fondsprospektes frei.
Aufgrund dieser Anlagepolitik haben britische Lebensversicherer teilweise relativ hohe Kapitalanlagerenditen erzielt, die im Rahmen der Überschussbeteiligung teils den Versicherungsnehmern zugute kommen. Doch sind die Ergebnisse einer solchen Kapitalanlage sehr volatil, also risikobehaftet, und nicht vorhersehbar oder schätzbar. Insbesondere bei kurzen Laufzeiten in Zeiten der Aktienkonjunktur haben einige britische Lebensversicherer deutlich höhere Renditen für die Versicherungsnehmer erwirtschaftet, als traditionelle europäische. Andererseits gab es aber auch Versicherer mit wesentlich schlechteren Ergebnissen.
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